Nachtrag zur möglichen Entdeckung eines leichten Bosons in Ungarn

Kürzlich hatte ich über Hinweise aus einem ungarischen Kernphysikexperiment auf ein bisher unbekanntes leichtes Boson geschrieben (siehe auch der Beitrag bei Astrodicticum). Dass solche potentiell bahnbrechenden Entdeckungen immer mit gesunder Skepsis betrachtet und erst mal repliziert werden müssen, ist sowieso klar. Jetzt äußern einige Forscher allerdings Zweifel an der Verlässlichkeit des Experiments, die über diese standard-Skepsis hinausgehen.

Offenbar hat die Arbeitsgruppe in Debrecen, von der das Ergebnis stammt, eine ganze Historie von Behauptungen, neue Bosonen bei verschiedenen Massen entdeckt zu haben – all diese Signale waren mit neuem Equipment oder mehr Messdaten verschwunden oder wurden nicht weiter verfolgt – im oben verlinkten Artikel wird der Verdacht geäußert, dass hier möglicherweise Negativergebnisse ignoriert und Positivergebnisse publiziert wurden, eine Vorgehensweise, die verzerrte, unberechtigt hohe statistische Signifikanzen erzeugt und daher verpönt ist (aus diesem Grund werden bei Experimenten am LHC erst die Analysemethoden festgelegt und dann erst die neuen Daten aufgedeckt).

Immerhin wurde die aktuelle Messung im renommierten Journal PRL veröffentlicht und enthält laut der Aussage der Gutachter keine offensichtlichen Fehler. Es bleibt uns wohl nur übrig – wie auch vorher schon – die Ergebnisse der anderen Experimente abzuwarten.

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  1. Pingback: X-Boson reloaded – Quanten.Feld.Salat

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